Angaben auf einem Festplattenlabel - alle Informationen verständlich erklärt

Wer eine interne Festplatte aus einem Computer, Notebook, NAS oder externen Festplattengehäuse ausbaut, findet auf deren Oberseite in der Regel ein Label mit zahlreichen Nummern, Abkürzungen, Barcodes und Symbolen. Auf den ersten Blick wirken diese Angaben häufig wie eine Ansammlung kryptischer Codes.
Tatsächlich enthält das Festplattenlabel jedoch wichtige Informationen zur eindeutigen Identifikation und zu den technischen Eigenschaften einer HDD. Dazu gehören insbesondere Hersteller, Modellnummer, Seriennummer, Speicherkapazität und teilweise Firmware-Version, Produktionsdaten, elektrische Anschlusswerte sowie weitere hersteller- und modellspezifische Kennzeichnungen.
Gerade bei einer Datenrettung können diese Angaben von Bedeutung sein, da bereits anhand der exakten Modell- und Revisionsdaten Rückschlüsse auf die verbaute Hardware und mögliche Ersatz- oder Spenderkomponenten gezogen werden können.
Die wichtigsten Angaben auf einem Festplattenlabel
Welche Informationen aufgedruckt werden und wie diese bezeichnet sind, unterscheidet sich zwischen Herstellern und Modellreihen. Typischerweise finden sich jedoch folgende Angaben:
- Hersteller
- Modellnummer bzw. Model Number
- Seriennummer (S/N)
- Speicherkapazität
- Part Number (P/N)
- Firmware-Version
- Herstellungsdatum oder Date Code
- Herstellungsort bzw. Produktionswerk
- elektrische Anschlusswerte
- Barcodes oder QR-Codes
- Prüf-, Zulassungs- und Entsorgungszeichen
Bei bestimmten Festplatten kommen weitere technische Identifikationsnummern hinzu.
Hersteller und Produktserie

Der Hersteller ist normalerweise deutlich auf dem Label angegeben. Zu den bekannten Herstellern mechanischer Festplatten gehören heute insbesondere Western Digital (WD), Seagate und Toshiba.
Zusätzlich zum Hersteller kann eine Produktfamilie oder Produktserie angegeben sein. Bei Western Digital sind beispielsweise Bezeichnungen wie WD Blue, WD Red oder WD Purple verbreitet. Solche Produktreihen sind für unterschiedliche Einsatzbereiche vorgesehen.
Die Produktserie allein reicht allerdings nicht aus, um eine Festplatte eindeutig zu identifizieren. Hierfür wird die vollständige Modellnummer benötigt.
Modellnummer – Model oder MDL

Die Modellnummer bezeichnet einen bestimmten Festplattentyp und ist eine der wichtigsten Angaben auf dem Label.
Je nach Hersteller findet man dafür beispielsweise Bezeichnungen wie:
Model, Model Number, MDL oder eine entsprechende herstellerspezifische Kennzeichnung.
Eine Modellnummer kann beispielsweise folgendermaßen aussehen:
WD60EFRX-68L0BN1
oder
ST4000DM004
Aus einer Modellnummer lassen sich – abhängig vom Hersteller – teilweise bereits Eigenschaften wie Produktfamilie, Kapazität, Schnittstelle oder Modellgeneration ableiten.
Wichtig ist allerdings: Die Codierung ist nicht herstellerübergreifend standardisiert. Die einzelnen Zeichen einer Modellnummer dürfen daher nur anhand der jeweiligen Herstellerdokumentation interpretiert werden.
Seriennummer – S/N oder Serial Number
Die Seriennummer ist die individuelle Kennzeichnung einer konkreten Festplatte. Während viele Festplatten dieselbe Modellnummer besitzen können, wird die Seriennummer zur Identifikation des einzelnen Laufwerks verwendet.
Auf dem Label wird sie meistens mit
S/N, SN oder Serial Number
gekennzeichnet.
Die Seriennummer kann unter anderem bei Garantieabfragen, Supportanfragen oder zur eindeutigen Zuordnung eines Datenträgers verwendet werden.
Modellnummer und Seriennummer sollten nicht miteinander verwechselt werden:
Modellnummer = Festplattentyp
Seriennummer = konkretes einzelnes Laufwerk
Part Number – P/N
Auf vielen Festplatten findet sich zusätzlich eine Part Number, abgekürzt P/N.
Dabei handelt es sich um eine Teile- bzw. Artikelnummer des Herstellers. Sie kann eine bestimmte Ausführung oder Revision innerhalb einer Modellfamilie näher kennzeichnen.
Für den normalen Anwender ist diese Information meist weniger wichtig. Bei Reparaturen und insbesondere bei professionellen Datenrettungen können solche Detailinformationen jedoch relevant sein.

Speicherkapazität – GB und TB
Die nominelle Speicherkapazität wird normalerweise gut sichtbar auf dem Festplattenlabel angegeben, beispielsweise:
500 GB
1 TB
4 TB
20 TB
Bei älteren Festplatten finden sich entsprechend kleinere Kapazitäten.
Dabei kann die vom Betriebssystem angezeigte Kapazität niedriger erscheinen als die auf dem Label angegebene Kapazität. Einer der Gründe hierfür ist die unterschiedliche Berechnungsweise von dezimalen und binären Größenangaben.
Die auf dem Label angegebene Kapazität ist deshalb nicht zwingend identisch mit dem Zahlenwert, den Windows oder ein anderes Betriebssystem später anzeigt.

Firmware-Version
Bei einigen Festplatten ist auch die installierte Firmware-Version direkt auf dem Label angegeben.
Mögliche Bezeichnungen sind beispielsweise:
Firmware, FW oder FW Rev.
Die Firmware ist die interne Betriebssoftware der Festplatte. Sie steuert wesentliche Funktionen des Laufwerks und arbeitet mit weiteren festplattenspezifischen Informationen zusammen.
Bei der professionellen Datenrettung spielt die Firmware eine wichtige Rolle. Beschädigungen oder Inkonsistenzen in Firmware- bzw. Serviceinformationen einer HDD können dazu führen, dass ein Laufwerk nicht mehr korrekt erkannt wird oder kein regulärer Zugriff auf die gespeicherten Daten mehr möglich ist.
Herstellungsdatum und Date Code
Viele Hersteller geben auf dem Label Informationen zum Produktionszeitpunkt an. Diese können unmittelbar als Datum oder in Form eines herstellerspezifischen Date Codes angegeben sein.
Daneben können Angaben zum Herstellungsland oder Produktionsstandort vorhanden sein, beispielsweise:
Made in Thailand
oder
Product of China.
Ein Produktionsdatum sollte nicht mit dem Kaufdatum einer Festplatte verwechselt werden. Zwischen Herstellung und Verkauf können mehrere Monate liegen.
Elektrische Anschlusswerte
Auf vielen HDD-Labels befinden sich Angaben wie:
5 V
und
12 V
zusammen mit Stromangaben in Ampere (A).
Diese Werte beschreiben die elektrische Versorgung der Festplatte.
Bei 3,5-Zoll-SATA-Festplatten werden typischerweise sowohl 5 V als auch 12 V benötigt. Bei 2,5-Zoll-SATA-Festplatten erfolgt die Versorgung üblicherweise über 5 V.
Diese Angaben sind insbesondere bei der Fehlersuche oder bei der Verwendung spezieller Stromversorgungen von Bedeutung.
SATA, SAS und andere Schnittstellen
Nicht auf jedem Label wird die Schnittstelle ausdrücklich ausgeschrieben. Häufig lässt sie sich jedoch anhand der Modellnummer, Produktserie oder der Anschlüsse erkennen.
Bei HDDs sind insbesondere folgende Schnittstellen anzutreffen:
SATA – Serial ATA
Heute die verbreitetste Schnittstelle bei internen Consumer-, Desktop- und vielen NAS-Festplatten.
SAS – Serial Attached SCSI
Vor allem bei Enterprise-Systemen und Servern verbreitet.
Bei älteren Festplatten können außerdem Schnittstellen wie IDE/PATA oder SCSI vorkommen.
Die Schnittstelle darf nicht allein anhand der Speicherkapazität oder des Formfaktors angenommen werden.
Drehzahl – RPM
Bei mechanischen Festplatten kann die Drehzahl der Magnetscheiben angegeben sein. Sie wird in
RPM – Revolutions per Minute
bzw. Umdrehungen pro Minute angegeben.
Typische Werte sind beispielsweise:
5.400 RPM
7.200 RPM
bei Enterprise-Laufwerken teilweise auch höhere Drehzahlen.
Allerdings ist die Drehzahl längst nicht auf jedem modernen HDD-Label ausdrücklich angegeben. Sie lässt sich gegebenenfalls über die vollständige Modellnummer und das Datenblatt des Herstellers ermitteln.
LBA und Sektorinformationen
Auf manchen Festplatten finden sich Angaben zu LBA – Logical Block Addressing oder zur Anzahl adressierbarer Sektoren.
LBA bezeichnet das Verfahren, mit dem die einzelnen logischen Datenblöcke eines Laufwerks adressiert werden.
Für einen normalen Anwender ist diese Angabe kaum relevant. In der Datenrettung und bei der technischen Analyse eines Datenträgers können Informationen über Sektoranzahl und Sektorgröße dagegen eine wichtige Rolle spielen.
Moderne Festplatten können beispielsweise mit unterschiedlichen logischen und physischen Sektorgrößen arbeiten, etwa 512 Byte, 512e oder 4Kn.
WWN – World Wide Name
Insbesondere Enterprise- und SAS-Festplatten können zusätzlich einen WWN (World Wide Name) besitzen.
Dabei handelt es sich um eine weltweit eindeutige Gerätekennung, die vor allem in professionellen Speicher-, Server- und SAN-Umgebungen zur Identifikation von Laufwerken verwendet wird.
Für den privaten Anwender spielt der WWN normalerweise keine Rolle.
PSID bei Laufwerken mit Hardware-Sicherheitsfunktionen
Bei bestimmten Laufwerken mit hardwarebasierten Sicherheitsfunktionen kann auf dem Label zusätzlich eine PSID (Physical Security Identifier) aufgedruckt sein.
Diese Kennung darf nicht mit der Seriennummer verwechselt werden. Sie gehört zu den Sicherheitsfunktionen entsprechend ausgestatteter Laufwerke.
Eine PSID ist deshalb nicht auf jeder Festplatte vorhanden.
Barcodes und QR-Codes
Viele Informationen des Labels werden zusätzlich als Barcode oder QR-Code dargestellt.
Damit können Hersteller, Händler und Serviceunternehmen Laufwerke automatisiert erfassen und eindeutig zuordnen.
Je nach Hersteller können beispielsweise folgende Informationen codiert sein:
- Seriennummer
- Modellnummer
- Part Number
- Produktionsinformationen
- weitere interne Identifikationsdaten
Ein QR-Code bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sich dahinter eine Internetadresse verbirgt.
Prüfzeichen und Symbole auf dem Festplattenlabel
Neben technischen Informationen befinden sich auf HDD-Labels zahlreiche Prüf-, Zulassungs- und Entsorgungszeichen.
Dazu gehören beispielsweise das CE-Zeichen sowie die durchgestrichene Mülltonne entsprechend den Vorgaben für Elektro- und Elektronikgeräte.
Je nach Verkaufsregion können weitere nationale und internationale Prüfzeichen vorhanden sein.
Die genaue Zusammenstellung unterscheidet sich deshalb abhängig von Hersteller, Modell, Produktionszeitraum und Zielmarkt.
2,5 Zoll und 3,5 Zoll – Unterschiede beim Label
HDDs werden insbesondere in den Formfaktoren 2,5 Zoll und 3,5 Zoll angeboten.
3,5-Zoll-Festplatten werden vor allem in Desktop-PCs, NAS-Systemen, Servern und externen Festplatten eingesetzt.
2,5-Zoll-HDDs findet man insbesondere in älteren Notebooks und kompakten externen Laufwerken.
Da auf einer 2,5-Zoll-Festplatte weniger Fläche für das Label vorhanden ist, sind Informationen dort häufig kompakter angeordnet. Die grundlegenden Identifikationsmerkmale – insbesondere Modell- und Seriennummer – sind jedoch auch dort vorhanden bzw. anderweitig am Laufwerk identifizierbar.
Warum sind die Angaben für eine Datenrettung wichtig?
Für eine professionelle Datenrettung reicht es nicht immer aus, lediglich Hersteller und Speicherkapazität einer defekten HDD zu kennen.
Eine genaue Identifikation kann unter anderem anhand von
- Modellnummer,
- Seriennummer,
- Part Number,
- Firmware bzw. Revision,
- Produktionsdaten und
- weiteren herstellerspezifischen Kennzeichnungen
erfolgen.
Das ist insbesondere bei mechanisch oder elektronisch beschädigten Festplatten relevant.
Müssen beispielsweise Bauteile oder Komponenten eines baugleichen Spenderlaufwerks verwendet werden, ist nicht automatisch jede Festplatte mit derselben Kapazität geeignet. Je nach Fehlerbild können wesentlich genauere Übereinstimmungen erforderlich sein.
Deshalb kann bereits ein gut lesbares Foto des vollständigen Festplattenlabels für eine erste technische Einschätzung hilfreich sein.
Festplatte defekt? Nicht unnötig weiter einschalten
Wenn eine Festplatte ungewöhnliche Geräusche verursacht, nicht mehr erkannt wird oder nach einem Sturz bzw. einer anderen mechanischen Einwirkung ausgefallen ist, sollte sie nicht wiederholt eingeschaltet werden.
Insbesondere bei mechanischen Schäden können weitere Startversuche vorhandene Beschädigungen verschlimmern und im ungünstigsten Fall bislang noch lesbare Bereiche der Magnetscheiben zusätzlich beschädigen.
Für eine erste Einschätzung eines Datenrettungsfalls sind neben einer Beschreibung des Fehlerbildes insbesondere Hersteller, vollständige Modellnummer und Speicherkapazität hilfreich. Diese Informationen können Sie in der Regel direkt vom Festplattenlabel ablesen.
Das Festplattenlabel ist der Ausweis einer HDD
Was zunächst wie eine Ansammlung kryptischer Buchstaben, Zahlen und Symbole aussieht, enthält zahlreiche wichtige Informationen über eine Festplatte.
Für die meisten Anwender sind vor allem drei Angaben entscheidend:
Modellnummer – welches Festplattenmodell ist es?
Seriennummer – welches konkrete Laufwerk ist es?
Speicherkapazität – wie groß ist die Festplatte?
Für technische Analysen und eine professionelle Datenrettung können darüber hinaus Part Number, Firmware, Produktionsinformationen und weitere herstellerspezifische Kennzeichnungen wichtig werden.
Die genaue Position und Bedeutung einzelner Angaben ist allerdings nicht bei allen Festplatten gleich. Western Digital, Seagate, Toshiba und andere Hersteller verwenden jeweils eigene Bezeichnungen und Codierungen. Eine Modellnummer sollte deshalb immer vollständig und exakt übernommen werden.
Weitere Beiträge rund um Festplatten (HDD)
Festplatte reparieren – umfassendes Tutorial
Praktische Schritte und typische Fehlerbilder bei HDD-Reparatur.
(alte) Festplatte auslesen – zwei Anleitungen
Datenrettung und Auslesen klassischer Festplatten erklärt.
Festplatte klackert | Eine Geräuscheinordnung
Ursachen häufiger mechanischer Geräusche und Bedeutung für Daten.
Festplatte ausbauen – Anleitung für Laptop und PC
Sicherer Ausbau von HDDs in Laptop und Desktop.
Festplatte wird nicht erkannt – Soforthilfe
Mögliche Ursachen und erste Diagnose-Checks bei HDDs.





